Aufträge

Schutzauftrag

Die Aufnahme erfolgt im Falle von häuslicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch. Der Schutzauftrag ist auf maximal einen Monat beschränkt und abhängig davon, dass die Sicherheit innerhalb des AHS gewährleistet ist. Der Schutz kann erfahrungsgemäss längstens einen Monat gewährleistet werden, danach sickert in der Regel der geheimgehaltene Aufenthaltsort durch. Die Sicherheitslage und die Frage weiterer Schutzmassnahmen ist danach neu zu beurteilen und entsprechend der Verbleib im AHS im Rahmen eines anderen Auftrages möglich.

Übergangslösung

Die Aufnahme erfolgt, wenn bereits eine Anschlussplazierung vorbereitet ist, der Übertritt jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann. Die Übergangszeit kann zur Entlastung des Herkunftssystems und zur Vorbereitung des Übertritts im AHS verbracht werden.

Time Out

Die Aufnahme erfolgt für den Fall, dass der Verbleib am Herkunftsort in Frage gestellt ist. Innerhalb kurzer Zeit (3-4 Wochen) wird in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten die Klärung der Situation angestrebt. Basis dazu sind klare Fragestellungen und Bedingungen vom Herkunftsort. Im Falle eines Entscheides gegen eine Rückkehr ist die Umwandlung des Auftrags und somit der Verbleib im AHS möglich.

Klärung der Hintergründe


Die Aufnahme erfolgt zur Klärung der Problemsituation und der vorhandenen Lösungsressourcen. Das AHS leistet Unterstützung im Auf- und Ausbau verlässlicher Strukturen und der Kommunikation unter den Beteiligten (Eltern, Schule/Lehr- oder Arbeitsstelle, Behörden).

Sofortige Aufnahme

In Ausnahmefällen finden Aufnahmen schnell und formlos statt. Zur Bestimmung des Auftrages müssen innert 48 Stunden nach erfolgtem Eintritt die Zuständigkeit und Finanzierung des Aufenthaltes geklärt und die erforderlichen Formalitäten erledigt sein. Ist dies nicht der Fall, erfolgt der sofortige Austritt.

Allfällige Rückkehr nach Hause und in die öffentliche Schule

Erarbeiten sich die Jugendlichen und ihre Familien im Laufe des Aufenthaltes die Möglichkeit, dass eine Rückkehr nach Hause in Betracht gezogen werden kann, steht oft auch die Wiederaufnahme in die öffentliche Schule (eher selten in die Lehre) zur Diskussion. Die Erfahrung zeigt, dass dies sorgfältig vorbereitet werden muss. So haben die angestammten Familien und die Jugendlichen vorgängig im Rahmen der Wochenendurlaube daran gearbeitet, dass die Regeln und Abmachungen verlässlich eingehalten werden. Sie haben gelernt, auftauchende Probleme gemeinsam zu lösen. Frühzeitig werden die Lehrpersonen oder Schulleitungen zu den Standortsitzungen eingeladen, damit auch von dieser Seite Bedingungen für einen Neuanfang eingebracht werden können. Zur Umsetzung wird das nachfolgende Phasen Modell angewendet. Dieses dient der Unterstützung der Eltern, in Etappen wieder mehr Verantwortung für die Jugendlichen zu übernehmen, es gibt der Schule Sicherheit, bei allfälligen Problemen nicht wieder alleine gelassen zu werden und den Jugendlichen die Möglichkeit, sich in einem gut funktionierenden Netz zu bewähren. Es startet, wenn alle Beteiligten (Jugendliche, Eltern, Behörden, Schule, AHS) dazu bereit sind mit Phase 1.  

In Phase 1 gehen die Jugendlichen von Montag bis Freitag aus dem AHS aus in die gemeinsam vereinbarte Schule/Klasse am Wohnort ihrer angestammten Familien. Für die Schule sind bei auftauchenden Fragen und organisatorischen Belange einerseits das Team des AHS und andererseits die Eltern zuständig. Unklarheiten werden gemeinsam geregelt. Die Organisation der Hausaufgabenkontrolle liegt in dieser Phase beim Aufnahmeheim und der Schule. Die Jugendlichen lernen, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Nach rund einem Monat evaluieren die Schule, die Eltern, die platzierenden Behörden sowie das AHS den Verlauf und entscheiden über das weitere Vorgehen. Phase 1 kann jederzeit abgebrochen werden, wenn die Beteiligte zum Schluss kommen, dass damit kein Erfolg zu erzielen ist. In diesem Fall kann eine Rückkehr der Jugendlichen in die angestammten Familien kein Thema mehr sein. Es wird gemeinsam vereinbart, wie die Suche nach einer geeigneten Anschlusslösung ablaufen soll. Die Phase 1 kann unter Umständen verlängert werden, wenn die Beteiligten an eine positive Entwicklung glauben. Für den Fall dass diese eingetroffen ist, folgt Phase 2.

In Phase 2 teilen sich das AHS und die angestammten Familien die Aufgabe der Betreuung der Jugendlichen. Die Sorgeberechtigten haben so die Möglichkeit, mit den Jugendlichen den Alltag zu üben und können auf die entsprechende Unterstützung des AHS zählen. Ebenso ist gewährleistet, dass die Schule weiterhin verlässliche Ansprechpersonen hat. Die Jugendlichen gehen in Phase 2 am Montag aus dem Elternhaus in die Schule und kehren am Abend ins AHS zurück. Dienstags, mittwochs und donnerstags beginnt der Schulweg im AHS. Am Donnerstagabend gehen die Jugendlichen nach Hause und starten am Freitagmorgen somit von dort aus zum letzten Schultag der Woche. Dann beginnt der Wochenendurlaub, denn sie wiederum in der angestammten Familie verbringen. Auch Phase 2 wird nach rund einem Monat unter Einbezug aller Beteiligten ausgewertet. Grundsätzlich ist eine Rückversetzung in Phase 1 jederzeit möglich. Dies soll aber nur in aussergewöhnlichen Situationen erfolgen. Sollte die Phase 2 nicht genügend Aufschluss über das weitere Vorgehen bringen, kann sie verlängert werden. Ziel ist es, dass nach dieser Phase die Rückkehr in die angestammte Familie vollzogen werden kann. Mit den Beteiligten ist dabei ausgemacht, welche weiteren begleitenden Massnahmen in der Folge ohne Beteiligung des AHS nötig sind.                                                  

In seltenen Fällen kann eine 3. Phase sowohl für Eltern als auch Behörden hilfreich sein. In diesem Zeitraum bleibt das Bett im AHS reserviert, für den Fall, dass die Rückkehr nach Hause doch abgebrochen werden muss. Vorgängig soll aber mit allen Beteiligten eine Rückversetzung in Phase 2 ausgehandelt werden können, um doch noch eine erfolgreiche Reintegration anzustreben. Wenn diese unter den gegebenen Umständen aussichtslos erscheint, nimmt das AHS die Jugendlichen wieder auf und regelt mit den zuständigen Parteien (Behörden, Eltern) das weitere Vorgehen bezüglich sinnvoller Anschlusslösung. Phase 3 kann ausnahmslos längstens einen Monat lang dauern.